Altbau
Wärmepumpe im Altbau: funktioniert das?
Kurz gesagt: in den meisten Bestandsgebäuden ja. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Heizlast und die Vorlauftemperatur. Hier erfährst du, worauf es ankommt und wie du die Eignung prüfst.
Eignung prüfen →- < 55 °C
- ideale Vorlauftemperatur
- bis 70 %
- Förderung beim Tausch
- Teilmaßnahmen
- statt Vollsanierung
Drei Faktoren entscheiden über die Eignung
Heizlast und Dämmung
Je niedriger der Wärmebedarf, desto effizienter die Wärmepumpe. Eine solide Dämmung von Dach, Fenstern und oberster Geschossdecke senkt die Heizlast spürbar.
Vorlauftemperatur
Wärmepumpen arbeiten am besten mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Liegt die nötige Temperatur unter etwa 55 Grad, läuft der Betrieb wirtschaftlich.
Heizflächen
Große Heizflächen wie Fußbodenheizung oder ausreichend dimensionierte Heizkörper helfen. Oft genügt der Tausch einzelner Heizkörper statt einer Komplettsanierung.
Im Altbau ist meist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die einfachste Lösung. Den Heizungstausch fördert der Staat mit bis zu 70 Prozent, mehr dazu auf der Seite Förderung.
Der wichtigste Hebel
Vorlauftemperatur entscheidet über die Effizienz
Je niedriger die nötige Vorlauftemperatur, desto effizienter und günstiger läuft die Wärmepumpe. Unter 55 Grad ist der Betrieb wirtschaftlich, viele Altbauten erreichen das nach gezielten Maßnahmen.
Typischer Altbau nach Heizkörper-Optimierung und hydraulischem Abgleich.
- Ideal (Flächenheizung)
- Gut (große Heizkörper)
- Ineffizient
Richtwerte. Die nötige Vorlauftemperatur hängt von Dämmung, Heizflächen und Auslegung ab.
Wärmepumpe im Altbau: das musst du wissen
Eine Wärmepumpe im Altbau ist in den meisten Fällen technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll, auch ohne Vollsanierung. Entscheidend sind die Vorlauftemperatur deines Heizsystems, der Dämmstandard und die richtige Dimensionierung der Anlage. Mit gezielten Vorbereitungen wie einem hydraulischen Abgleich, dem Austausch einzelner Heizkörper oder einer Hybrid-Lösung lässt sich eine Wärmepumpe auch in älteren Bestandsgebäuden effizient betreiben.
01Ist dein Altbau für eine Wärmepumpe geeignet? Die Checkliste
Die zentrale Frage lautet nicht, ob dein Haus neu oder alt ist, sondern welche Vorlauftemperatur dein Heizsystem benötigt. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei Vorlauftemperaturen unter 55 Grad Celsius. Viele Altbauten aus den 1970er, 1980er und 1990er Jahren erreichen diesen Wert bereits nach kleineren Anpassungen. Selbst ältere Gebäude können mit Hochtemperatur-Wärmepumpen oder Hybrid-Systemen ausgestattet werden, wenn eine Vollsanierung nicht möglich oder gewünscht ist.
Ein guter erster Indikator ist dein aktueller Heizölverbrauch oder Gasverbrauch. Liegt dieser unter 15 Litern Öl pro Quadratmeter und Jahr (entspricht etwa 150 kWh pro Quadratmeter), ist die Ausgangslage günstig. Auch der Zustand der Fenster spielt eine Rolle: Doppel- oder Dreifachverglasung senken die benötigte Heizleistung deutlich. Eine teilweise Dachdämmung oder gedämmte Kellerdecke verbessern die Effizienz zusätzlich, sind aber nicht zwingend Voraussetzung für den Betrieb einer Wärmepumpe.
- Vorlauftemperatur: Ideal unter 55 Grad, bei Hochtemperatur-WP bis 70 Grad möglich
- Heizlast: Unter 100 Watt pro Quadratmeter ist günstig, bis 150 Watt machbar mit Anpassungen
- Dämmstandard: Mindestens Doppelverglasung und teilweise Dämmung empfohlen, Vollsanierung nicht zwingend
- Heizkörper: Große Plattenheizkörper oder Flächenheizkörper besser als alte Rippenheizkörper
- Platzangebot: Außenaufstellung oder Kellerraum für Innengerät plus Pufferspeicher
Gut zu wissen
Vorlauftemperaturen unter 55 Grad Celsius sind ideal für Wärmepumpen, aber moderne Hochtemperatur-Modelle schaffen auch 70 Grad bei Jahresarbeitszahlen um 3,0.
02Dämmstandard und Vorlauftemperatur: Was wirklich zählt
Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Hebel für die Effizienz deiner Wärmepumpe. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto höher die Jahresarbeitszahl (JAZ) und desto geringer der Stromverbrauch. Eine JAZ von 3,5 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 3,5 kWh Wärme erzeugt werden. In gut gedämmten Altbauten mit Vorlauftemperaturen um 45 Grad sind JAZ-Werte von 4,0 oder höher realistisch. Bei älteren, ungedämmten Gebäuden mit 60 Grad Vorlauftemperatur sinkt die JAZ auf etwa 2,8 bis 3,2.
Der Dämmstandard beeinflusst die Vorlauftemperatur indirekt: Je besser gedämmt, desto weniger Wärme muss das System liefern und desto niedriger kann die Vorlauftemperatur eingestellt werden. Eine Fassadendämmung mit 12 bis 16 cm kann die benötigte Heizleistung um 30 bis 50 Prozent senken. Allerdings ist eine Vollsanierung teuer und amortisiert sich oft erst nach Jahrzehnten. Für viele Hausbesitzer ist es wirtschaftlich sinnvoller, in eine leistungsstärkere oder Hochtemperatur-Wärmepumpe zu investieren und nur punktuell zu dämmen, etwa die oberste Geschossdecke oder die Kellerdecke.
| Dämmstandard | Typische Vorlauftemperatur | Erreichbare JAZ | Empfohlener WP-Typ |
|---|---|---|---|
| Gut gedämmt (nach 1995 oder saniert) | 35 bis 45 Grad | 3,8 bis 4,5 | Standard Luft/Wasser |
| Mittlere Dämmung (1970er bis 1990er) | 45 bis 55 Grad | 3,2 bis 3,8 | Standard Luft/Wasser |
| Wenig gedämmt (vor 1970, unsaniert) | 55 bis 65 Grad | 2,8 bis 3,2 | Hochtemperatur-WP |
| Ungedämmt, Einzeldenkmal | über 65 Grad | 2,5 bis 3,0 | Hochtemperatur-WP oder Hybrid |
03Heizkörper im Altbau: Tauschen oder behalten?
Alte Rippenheizkörper aus den 1960er und 1970er Jahren haben eine relativ kleine Oberfläche und benötigen hohe Vorlauftemperaturen, um Räume ausreichend zu erwärmen. Moderne Flächenheizkörper oder große Plattenheizkörper geben die Wärme über eine größere Fläche ab und kommen daher mit niedrigeren Temperaturen aus. Ein Austausch ist aber nicht in jedem Raum nötig. Oft reicht es, in den Hauptwohnräumen und Schlafzimmern größere Heizkörper zu installieren und in weniger genutzten Räumen die alten Modelle zu behalten.
Ein hydraulischer Abgleich ist in jedem Fall Pflicht, wenn du eine Wärmepumpe im Altbau installierst. Dabei wird die Durchflussmenge in jedem Heizkörper so eingestellt, dass alle Räume gleichmäßig warm werden, ohne dass die Vorlauftemperatur unnötig erhöht werden muss. Der hydraulische Abgleich kostet 800 bis 1.500 Euro und wird von der BAFA mit 15 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. In vielen Fällen senkt der Abgleich die benötigte Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad, was die Effizienz der Wärmepumpe spürbar steigert.
- Hydraulischer Abgleich ist Pflicht für Förderung und senkt Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad
- Flächenheizkörper oder Niedertemperatur-Heizkörper arbeiten ab 35 Grad Vorlauftemperatur effizient
- Alte Rippenheizkörper können oft bleiben, wenn die Vorlauftemperatur noch akzeptabel ist
- Selektiver Tausch in Haupträumen ist oft günstiger als kompletter Austausch im ganzen Haus
- Kosten für Heizkörpertausch: 300 bis 800 Euro pro Stück inklusive Montage
Gut zu wissen
Ein hydraulischer Abgleich senkt die Vorlauftemperatur um durchschnittlich 5 bis 10 Grad und ist für die BAFA-Förderung verpflichtend.
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04Welcher Wärmepumpen-Typ eignet sich für deinen Altbau?
Luft-Wasser-Wärmepumpen sind im Altbau die häufigste Wahl, weil sie ohne Erdarbeiten auskommen und vergleichsweise günstig in der Anschaffung sind. Moderne Geräte erreichen auch bei Außentemperaturen von minus 15 Grad noch ausreichend Leistung. Für Altbauten mit höheren Vorlauftemperaturen gibt es spezielle Hochtemperatur-Wärmepumpen, die Vorlauftemperaturen bis 70 Grad liefern. Diese Modelle haben eine etwas niedrigere Jahresarbeitszahl (JAZ um 3,0), sind aber ideal, wenn umfassende Sanierungen nicht möglich sind.
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärmepumpen) mit Erdsonden oder Flächenkollektoren liefern auch im Winter konstant hohe Leistungen und erreichen bessere JAZ-Werte als Luft-Wasser-Pumpen. Allerdings sind die Erschließungskosten mit 8.000 bis 15.000 Euro deutlich höher, und nicht jedes Grundstück eignet sich für Bohrungen. Wasser-Wasser-Wärmepumpen nutzen Grundwasser als Wärmequelle und sind extrem effizient, setzen aber zwei Brunnenbohrungen und eine wasserrechtliche Genehmigung voraus. Im Altbau mit begrenztem Budget bleibt die Luft-Wasser-Wärmepumpe meist die pragmatischste Lösung.
| Wärmepumpen-Typ | Vorlauftemperatur | Typische JAZ im Altbau | Investitionskosten (inkl. Erschließung) |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser Standard | bis 55 Grad | 3,2 bis 3,8 | 20.000 bis 30.000 Euro |
| Luft-Wasser Hochtemperatur | bis 70 Grad | 2,8 bis 3,2 | 22.000 bis 32.000 Euro |
| Sole-Wasser (Erdsonde) | bis 55 Grad | 3,8 bis 4,5 | 30.000 bis 45.000 Euro |
| Wasser-Wasser | bis 55 Grad | 4,0 bis 5,0 | 28.000 bis 42.000 Euro |
05Notwendige Sanierungsmaßnahmen: Prioritäten setzen
Nicht jeder Altbau braucht eine Vollsanierung, bevor die Wärmepumpe installiert wird. Es lohnt sich, die Maßnahmen nach ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis zu priorisieren. Die oberste Geschossdecke oder das Dach zu dämmen bringt oft die größte Heizlastreduzierung bei vergleichsweise geringen Kosten. Eine 20 cm Dämmung der obersten Geschossdecke kostet etwa 30 bis 50 Euro pro Quadratmeter und senkt den Wärmebedarf um bis zu 20 Prozent. Der Austausch alter Fenster gegen Zweifach- oder Dreifachverglasung spart weitere 10 bis 15 Prozent Heizenergie.
Kellerdecken und Rohrleitungen zu dämmen ist ebenfalls effektiv und kostengünstig. Eine gedämmte Kellerdecke verhindert, dass Wärme in unbeheizte Kellerräume entweicht. Die Kosten liegen bei 20 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Eine Fassadendämmung ist hingegen teuer (100 bis 200 Euro pro Quadratmeter) und lohnt sich wirtschaftlich oft erst, wenn die Fassade ohnehin renoviert werden muss. Für viele Hausbesitzer ist es sinnvoller, in eine leistungsfähigere Wärmepumpe zu investieren und nur die kostengünstigsten Dämmmaßnahmen umzusetzen.
| Maßnahme | Heizkosteneinsparung | Kosten pro m² | Priorität |
|---|---|---|---|
| Oberste Geschossdecke dämmen | 15 bis 20 Prozent | 30 bis 50 Euro | Hoch |
| Kellerdecke dämmen | 5 bis 10 Prozent | 20 bis 40 Euro | Hoch |
| Fenster erneuern | 10 bis 15 Prozent | 400 bis 800 Euro/Fenster | Mittel |
| Fassade dämmen | 20 bis 30 Prozent | 100 bis 200 Euro | Niedrig (teuer) |
| Hydraulischer Abgleich | 5 bis 10 Prozent | Pauschal 800 bis 1.500 Euro | Hoch |
Gut zu wissen
Die Dämmung der obersten Geschossdecke kostet nur 30 bis 50 Euro pro Quadratmeter und senkt die Heizlast um bis zu 20 Prozent, deutlich günstiger als eine Fassadendämmung.

06Kosten im Altbau: Wärmepumpe pur oder mit Begleitmaßnahmen?
Die reinen Anschaffungs- und Installationskosten für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liegen im Einfamilienhaus bei 20.000 bis 30.000 Euro. Hinzu kommen optional ein Pufferspeicher (1.500 bis 3.000 Euro), ein Warmwasserspeicher (800 bis 1.500 Euro) und gegebenenfalls Anpassungen an der Elektroinstallation (500 bis 1.500 Euro). Wenn du keine weiteren Maßnahmen ergreifst, kannst du mit Gesamtkosten von 22.000 bis 35.000 Euro rechnen. Die BAFA fördert Wärmepumpen im Bestandsgebäude mit 25 Prozent der förderfähigen Kosten, bei Austausch einer funktionierenden Öl- oder Gasheizung kommen weitere 10 Prozent Heizungstausch-Bonus hinzu.
Kombinierst du die Wärmepumpe mit gezielten Sanierungsmaßnahmen wie hydraulischem Abgleich, Heizkörpertausch in einzelnen Räumen und Dämmung der Geschossdecke, steigen die Kosten auf etwa 30.000 bis 50.000 Euro. Dafür sinkt die benötigte Vorlauftemperatur, die Wärmepumpe arbeitet effizienter und die Betriebskosten fallen niedriger aus. Über eine Laufzeit von 20 Jahren kann diese Kombination wirtschaftlich sinnvoller sein als eine reine Wärmepumpen-Installation ohne Begleitmaßnahmen, vor allem wenn die Strompreise weiter steigen.
| Variante | Investitionskosten | BAFA-Förderung (35%) | Eigenanteil | Jährliche Heizkosten (Beispiel) |
|---|---|---|---|---|
| Nur Wärmepumpe (Standard) | 25.000 Euro | 8.750 Euro | 16.250 Euro | 1.400 bis 1.800 Euro |
| WP + hydraulischer Abgleich | 26.500 Euro | 9.275 Euro | 17.225 Euro | 1.200 bis 1.600 Euro |
| WP + Abgleich + Heizkörper (4 Stück) | 29.500 Euro | 10.325 Euro | 19.175 Euro | 1.100 bis 1.500 Euro |
| WP + Abgleich + Heizkörper + Geschossdecke | 35.000 Euro | 12.250 Euro | 22.750 Euro | 1.000 bis 1.400 Euro |
07Hochtemperatur-Wärmepumpen: Wenn die Vorlauftemperatur hoch bleiben muss
Hochtemperatur-Wärmepumpen sind speziell für Altbauten konzipiert, in denen eine Absenkung der Vorlauftemperatur nicht oder nur sehr aufwändig möglich ist. Diese Geräte erreichen Vorlauftemperaturen bis 70 Grad und können daher auch mit alten Rippenheizkörpern und ohne umfassende Sanierung betrieben werden. Die Jahresarbeitszahl liegt typischerweise zwischen 2,8 und 3,2, was niedriger ist als bei Standard-Wärmepumpen, aber immer noch deutlich effizienter als ein Öl- oder Gaskessel.
Die Anschaffungskosten für Hochtemperatur-Modelle liegen etwa 2.000 bis 4.000 Euro über denen von Standard-Wärmepumpen. Hersteller wie Viessmann, Vaillant und Daikin bieten solche Geräte an. Wichtig ist, die höhere Investition gegen die Kosten für Sanierungsmaßnahmen abzuwägen. Wenn beispielsweise der komplette Heizkörpertausch 6.000 bis 10.000 Euro kosten würde, ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe oft die wirtschaftlichere Wahl. Zudem kannst du jederzeit später noch nachdämmen und die Vorlauftemperatur schrittweise senken.
- Vorlauftemperatur bis 70 Grad, geeignet für unsanierte Altbauten
- Jahresarbeitszahl 2,8 bis 3,2, niedriger als Standard-WP aber besser als Öl/Gas
- Mehrkosten gegenüber Standard-Modell: 2.000 bis 4.000 Euro
- Kein Heizkörpertausch nötig, alte Radiatoren können weiter genutzt werden
- Nachrüstung von Dämmmaßnahmen jederzeit möglich, um Effizienz zu steigern
08Hybrid-Systeme: Wärmepumpe plus Gas als Spitzenlast-Ergänzung
Ein bivalentes oder Hybrid-System kombiniert eine Wärmepumpe mit einem Gas- oder Öl-Brennwertkessel, der nur an sehr kalten Tagen oder bei besonders hohem Wärmebedarf zugeschaltet wird. Die Wärmepumpe deckt den Großteil der Heizlast ab, typischerweise 70 bis 85 Prozent über das Jahr. Der fossile Kessel springt nur ein, wenn die Außentemperatur unter einen bestimmten Bivalenzpunkt fällt (zum Beispiel minus 5 Grad) oder wenn die Wärmepumpe die benötigte Vorlauftemperatur nicht mehr effizient liefern kann.
Hybrid-Systeme sind eine gute Lösung für Altbauten, in denen eine reine Wärmepumpe wirtschaftlich grenzwertig wäre oder in denen eine funktionierende Gasheizung noch vorhanden ist. Die Investitionskosten liegen bei 25.000 bis 35.000 Euro für die Wärmepumpe plus eventuelle Anpassungen am bestehenden Kessel. Die BAFA fördert auch Hybrid-Systeme mit bis zu 35 Prozent, sofern die Wärmepumpe den überwiegenden Teil der Jahresheizarbeit übernimmt. Langfristig kann der Gaskessel stillgelegt werden, sobald weitere Sanierungsmaßnahmen umgesetzt sind.
- Wärmepumpe deckt 70 bis 85 Prozent der Jahresheizarbeit, Gaskessel nur Spitzenlast
- Bivalenzpunkt typischerweise bei minus 5 bis minus 10 Grad Außentemperatur
- Investitionskosten 25.000 bis 35.000 Euro, BAFA-Förderung bis 35 Prozent möglich
- Bestehende Gasheizung kann weiter genutzt werden, geringere Umrüstkosten
- CO2-Einsparung 60 bis 75 Prozent gegenüber reiner Gasheizung
Gut zu wissen
Hybrid-Systeme senken die CO2-Emissionen um 60 bis 75 Prozent und erlauben es, eine bestehende Gasheizung weiter zu nutzen, während die Wärmepumpe 70 bis 85 Prozent der Heizlast trägt.
09Praxisbeispiel 1: Einfamilienhaus Baujahr 1978, teilsaniert
Das freistehende Einfamilienhaus in Hessen hat 140 Quadratmeter Wohnfläche, Baujahr 1978, Fenster wurden 2005 gegen Zweifachverglasung getauscht, die Fassade ist ungedämmt, die oberste Geschossdecke hat eine 10 cm Dämmung aus den 1990er Jahren. Die alte Ölheizung mit Rippenheizkörpern lief mit einer Vorlauftemperatur von 65 Grad. Der jährliche Ölverbrauch betrug etwa 2.200 Liter, entsprechend rund 22.000 kWh Heizenergie.
Die Familie entschied sich für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 10 kW Heizleistung und ließ vorab einen hydraulischen Abgleich durchführen. In Wohnzimmer, Küche und zwei Schlafzimmern wurden alte Heizkörper gegen größere Flächenheizkörper getauscht, in den übrigen Räumen blieben die alten Heizkörper. Die Vorlauftemperatur konnte so auf 52 Grad gesenkt werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 28.000 Euro (Wärmepumpe, Abgleich, vier neue Heizkörper). Nach BAFA-Förderung (35 Prozent) blieb ein Eigenanteil von 18.200 Euro. Die Jahresarbeitszahl liegt bei 3,4, die jährlichen Stromkosten bei etwa 1.500 Euro, eine Ersparnis von rund 800 Euro gegenüber der alten Ölheizung.
10Praxisbeispiel 2: Reihenhaus Baujahr 1965, unsaniert, Hybrid-Lösung
Das Reihenhaus in Nordrhein-Westfalen hat 110 Quadratmeter Wohnfläche, Baujahr 1965, ohne Dämmung und mit alten Holzfenstern. Die bestehende Gasheizung lief mit 70 Grad Vorlauftemperatur und verbrauchte jährlich etwa 18.000 kWh Gas. Eine Vollsanierung war finanziell nicht möglich, und die Familie wollte die Gasheizung als Absicherung behalten.
Die Lösung war ein Hybrid-System: Eine 8 kW Luft-Wasser-Wärmepumpe wurde installiert, die bis zu einer Außentemperatur von minus 5 Grad die Heizlast allein übernimmt. Bei kälteren Temperaturen schaltet sich der vorhandene Gas-Brennwertkessel automatisch zu. Die Wärmepumpe deckt etwa 75 Prozent der Jahresheizarbeit. Die Investitionskosten betrugen 26.000 Euro, nach Förderung blieben 16.900 Euro. Die jährlichen Energiekosten sanken von 1.800 Euro (Gas) auf etwa 1.200 Euro (Strom und Gas kombiniert). Die CO2-Emissionen verringerten sich um rund 65 Prozent.
11Praxisbeispiel 3: Denkmalgeschützter Altbau, Hochtemperatur-Wärmepumpe
Die denkmalgeschützte Stadtvilla aus dem Jahr 1910 in Baden-Württemberg hat 180 Quadratmeter Wohnfläche und steht unter Ensembleschutz, sodass eine Fassadendämmung nicht erlaubt ist. Die alten Kastenfenster wurden innen durch Isolierglasfenster ergänzt, die oberste Geschossdecke wurde gedämmt. Die Vorlauftemperatur der alten Gasheizung lag bei 68 Grad.
Die Eigentümer entschieden sich für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit 12 kW Leistung, die Vorlauftemperaturen bis 70 Grad liefert. Heizkörper und Rohrleitungen blieben unverändert. Ein hydraulischer Abgleich und der Einbau eines 300 Liter Pufferspeichers optimierten das System. Die Gesamtkosten betrugen 32.000 Euro, nach Förderung 20.800 Euro. Die Jahresarbeitszahl liegt bei 3,0, die jährlichen Heizkosten sanken von 2.200 Euro (Gas) auf etwa 1.700 Euro (Strom). Die Anlage arbeitet zuverlässig auch an kalten Wintertagen und ermöglicht es, das denkmalgeschützte Gebäude klimafreundlich zu beheizen.
FAQ
Häufige Fragen zur Wärmepumpe im Altbau
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt?
In vielen Bestandsgebäuden ja. Entscheidend sind eine moderate Heizlast, niedrige Vorlauftemperaturen und ausreichend große Heizflächen. Eine pauschale Dämmpflicht gibt es nicht, gezielte Maßnahmen reichen oft aus.
Muss ich vorher komplett sanieren?
Nein. Eine Vollsanierung ist selten nötig. Häufig genügen Teilmaßnahmen wie der hydraulische Abgleich, der Austausch einzelner Heizkörper oder eine bessere Dachdämmung, um die Wärmepumpe effizient zu betreiben.
Welcher Wärmepumpen-Typ passt in den Altbau?
Meist die Luft-Wasser-Wärmepumpe, weil sie ohne Erdarbeiten auskommt. Bei sehr hoher Heizlast oder verfügbarem Grundstück kann Erdwärme die effizientere Wahl sein.
Wie finde ich heraus, ob mein Haus geeignet ist?
Der Wärmepumpen-Check schätzt anhand von Baujahr, Wohnfläche und Dämmstand deine Heizlast und gibt eine erste Einschätzung zur Eignung und zur Förderung.
Mehr Antworten? Auf der FAQ-Seite findest du alle Fragen zu Förderung, Kosten, Technik und Anbietern.
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