Grundlagen
So funktioniert eine Wärmepumpe.
Eine Wärmepumpe arbeitet wie ein umgekehrter Kühlschrank: Sie holt Wärme aus Luft, Erde oder Wasser und hebt sie auf Heiztemperatur. Hier siehst du den Kältekreislauf einfach erklärt, COP und JAZ und warum das so effizient ist.
- 3–5×
- Wärme aus Strom
- Luft/Erde/Wasser
- als Wärmequelle
- JAZ
- misst die Effizienz
Funktionsweise im Detail
Eine Wärmepumpe entzieht der Umwelt (Luft, Erde oder Grundwasser) gespeicherte Sonnenenergie und hebt sie mittels eines Kältekreislaufs auf ein höheres, nutzbares Temperaturniveau. Dabei wird aus einer Kilowattstunde Strom je nach Effizienz das Drei bis Fünffache an Heizwärme erzeugt. Wie dieser Prozess genau abläuft, welche Komponenten beteiligt sind und warum die Technologie so effizient arbeitet, erklären wir im Detail.
01Die Wärmepumpe als umgekehrter Kühlschrank
Um die Funktionsweise einer Wärmepumpe zu verstehen, hilft der Vergleich mit einem Kühlschrank. Beide Geräte nutzen denselben thermodynamischen Kältekreislauf, nur mit umgekehrter Zielsetzung. Ein Kühlschrank entzieht seinem Innenraum Wärme und gibt sie über Lamellen an der Rückseite an die Umgebung ab. Du kannst diese Wärme an der Rückwand deines Kühlschranks spüren.
Eine Wärmepumpe dreht dieses Prinzip um: Sie entzieht der Umgebung (selbst kalter Luft, Erdreich oder Wasser) Wärme und gibt sie auf einem höheren Temperaturniveau an das Heizsystem ab. Statt eine Kühlbox zu erzeugen, schaffst du einen warmen Raum. Beide Systeme transportieren also Wärme entgegen dem natürlichen Temperaturgefälle, wofür Energie aufgewendet werden muss.
Der entscheidende Vorteil: Die zugeführte elektrische Energie wird nicht direkt in Wärme umgewandelt wie bei einem Heizstab, sondern dient als Antriebsenergie für einen Kompressor. Dieser ermöglicht den Transport kostenloser Umweltwärme ins Gebäude. Das Verhältnis aus erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom macht Wärmepumpen zu den effizientesten Heizsystemen am Markt.
Gut zu wissen
Genau wie ein Kühlschrank arbeitet eine Wärmepumpe mit einem Kältekreislauf, nur mit umgekehrter Richtung: Sie entzieht der Umgebung Wärme und gibt sie ans Haus ab.
02Der Kältekreislauf: Herzstück jeder Wärmepumpe
Der Kältekreislauf ist das zentrale Funktionsprinzip jeder Wärmepumpe. Er besteht aus vier Hauptkomponenten, die in einem geschlossenen System zusammenarbeiten: Verdampfer, Verdichter (Kompressor), Verflüssiger (Kondensator) und Expansionsventil. Durch diesen Kreislauf zirkuliert ein spezielles Kältemittel, das seine Aggregatzustände zwischen gasförmig und flüssig wechselt.
Das Besondere am Kältemittel: Es verdampft bereits bei sehr niedrigen Temperaturen. Selbst bei minus 20 Grad Celsius Außentemperatur nimmt es noch Wärmeenergie auf. Moderne Kältemittel wie R32, R290 (Propan) oder R454C sind auf hohe Effizienz und geringere Umweltauswirkungen optimiert. Der gesamte Prozess läuft kontinuierlich ab, solange die Wärmepumpe in Betrieb ist.
- Verdampfer: Nimmt Umweltwärme auf und verdampft das Kältemittel
- Verdichter: Komprimiert das gasförmige Kältemittel und erhöht Druck und Temperatur
- Verflüssiger (Kondensator): Gibt die Wärme ans Heizsystem ab, Kältemittel wird wieder flüssig
- Expansionsventil: Entspannt das flüssige Kältemittel, senkt Druck und Temperatur für einen neuen Zyklus
03Die vier Stationen im Detail erklärt
Im Verdampfer strömt das flüssige Kältemittel durch Rohrleitungen, die von der Wärmequelle (Luft, Sole oder Wasser) umspült werden. Selbst wenn die Außenluft nur 5 Grad Celsius hat, reicht dies aus, um das Kältemittel zum Verdampfen zu bringen, denn sein Siedepunkt liegt deutlich darunter. Bei diesem Phasenübergang von flüssig zu gasförmig nimmt das Kältemittel große Mengen latenter Wärmeenergie auf.
Das nun gasförmige, aber noch relativ kühle Kältemittel gelangt zum Verdichter. Dieser elektrisch betriebene Kompressor ist der einzige Teil, der Strom verbraucht. Er verdichtet das Gas stark, wodurch Druck und Temperatur massiv steigen. Das komprimierte Gas erreicht jetzt Temperaturen von 60 bis 80 Grad Celsius oder höher, je nach Systemauslegung und Heizlast.
Im Verflüssiger (auch Kondensator genannt) fließt das heiße, unter Druck stehende Gas durch einen Wärmetauscher, der vom Heizungswasser umspült wird. Hier gibt das Kältemittel seine Wärme ab und kühlt sich dabei ab. Es kondensiert wieder zu einer Flüssigkeit, während das Heizwasser erwärmt wird und zu den Heizkörpern oder zur Fußbodenheizung strömt.
Zuletzt passiert das nun flüssige, aber noch unter Druck stehende Kältemittel das Expansionsventil. Dieses Drosselventil entspannt das Kältemittel schlagartig. Druck und Temperatur sinken stark ab, und der Kreislauf beginnt von Neuem. Dieses clevere Zusammenspiel der vier Komponenten ermöglicht es, kostenlose Umweltenergie nutzbar zu machen.
| Komponente | Funktion | Zustand des Kältemittels |
|---|---|---|
| Verdampfer | Aufnahme von Umweltwärme | Flüssig zu gasförmig, niedrige Temperatur |
| Verdichter | Erhöhung von Druck und Temperatur | Gasförmig, hoher Druck, hohe Temperatur |
| Verflüssiger | Abgabe von Wärme ans Heizsystem | Gasförmig zu flüssig, Wärme wird abgegeben |
| Expansionsventil | Druckabbau für neuen Zyklus | Flüssig, niedriger Druck und Temperatur |
Gut zu wissen
Der Verdichter ist die zentrale Komponente: Er hebt das Temperaturniveau des verdampften Kältemittels von etwa minus 5 Grad auf 60 bis 80 Grad Celsius an und verbraucht dabei den gesamten elektrischen Strom der Anlage.
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04Woher kommt die Wärme? Die drei Wärmequellen im Vergleich
Wärmepumpen nutzen drei natürliche Quellen, um Umweltwärme zu gewinnen: Außenluft, Erdreich und Grundwasser. Alle drei Medien speichern Sonnenenergie, die im Laufe des Jahres eingestrahlt wurde. Selbst im Winter steht genug Energie zur Verfügung, da bereits geringe Temperaturunterschiede für den Verdampfungsprozess ausreichen.
Die Wahl der Wärmequelle beeinflusst Effizienz, Investitionskosten und Platzbedarf erheblich. Luftwärmepumpen sind am einfachsten zu installieren, arbeiten aber bei sehr niedrigen Außentemperaturen weniger effizient. Erdwärmepumpen liefern konstante Leistung, erfordern jedoch Erdarbeiten. Wasserwärmepumpen erreichen die höchsten Wirkungsgrade, setzen aber einen geeigneten Brunnen voraus.
| Wärmequelle | Temperatur im Winter | Typische JAZ | Installationsaufwand |
|---|---|---|---|
| Außenluft | Minus 10 bis plus 10 Grad | 3,0 bis 4,0 | Gering, keine Erdarbeiten |
| Erdreich (Kollektor/Sonde) | 0 bis 10 Grad ganzjährig | 4,0 bis 4,5 | Hoch, Bagger oder Bohrung nötig |
| Grundwasser | 8 bis 12 Grad ganzjährig | 4,5 bis 5,2 | Sehr hoch, zwei Brunnen erforderlich |
| Abwasser (selten) | 10 bis 15 Grad ganzjährig | 4,5 bis 5,0 | Nur bei kommunaler Infrastruktur |
05Luft, Erde, Wasser: Was bedeutet das für die Praxis?
Luftwärmepumpen saugen Außenluft an, entziehen ihr über den Verdampfer Wärme und blasen die abgekühlte Luft wieder aus. Sie sind die am weitesten verbreitete Bauform, weil sie überall installiert werden können und vergleichsweise günstig sind. Allerdings sinkt ihre Effizienz bei Temperaturen unter minus 5 Grad Celsius spürbar, da der Verdampfer dann häufiger abgetaut werden muss.
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärmepumpen) nutzen das Erdreich als Wärmequelle. Über Erdkollektoren, die horizontal in etwa 1,2 bis 1,5 Meter Tiefe verlegt werden, oder über Erdsonden, die bis zu 100 Meter tief reichen, zirkuliert eine frostsichere Sole (Wasser-Glykol-Gemisch). Das Erdreich hat ganzjährig eine nahezu konstante Temperatur, was für gleichbleibend hohe Effizienz sorgt. Der Platzbedarf für Kollektoren ist allerdings beträchtlich, und Sonden erfordern eine Bohrung mit Genehmigung.
Wasser-Wasser-Wärmepumpen fördern Grundwasser aus einem Saugbrunnen, entziehen ihm Wärme und leiten es über einen zweiten Schluckbrunnen wieder zurück. Grundwasser hat ganzjährig eine stabile Temperatur von 8 bis 12 Grad Celsius, was die höchsten Jahresarbeitszahlen ermöglicht. Voraussetzungen sind ausreichende Grundwasserführung, gute Wasserqualität und eine wasserrechtliche Genehmigung. Diese Variante ist technisch anspruchsvoll, aber extrem effizient.
- Luftwärmepumpe: flexibel, günstig, überall einsetzbar, Effizienz wetterabhängig
- Erdwärmepumpe: konstante Leistung, hohe Effizienz, hoher Installationsaufwand
- Wasserwärmepumpe: höchste Effizienz, stabile Quelle, Genehmigung und Brunnen nötig

06Warum aus 1 kWh Strom 3 bis 5 kWh Wärme werden
Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man versteht, dass eine Wärmepumpe Energie nicht erzeugt, sondern transportiert. Die elektrische Energie treibt lediglich den Verdichter an, der als Pumpe für Wärme fungiert. Der größte Teil der Heizenergie stammt kostenlos aus der Umwelt.
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Eine Wärmepumpe mit einer Leistungszahl von 4,0 liefert bei 1 kWh Stromeinsatz 4 kWh Heizwärme. Davon sind 3 kWh aus der Umwelt gewonnene, regenerative Energie und nur 1 kWh zugekaufter Strom. Dieser Hebel macht Wärmepumpen so klimafreundlich und wirtschaftlich, besonders wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt.
Die Effizienz hängt vom Temperaturniveau ab: Je geringer der Unterschied zwischen Wärmequelle und Heizungsvorlauf, desto weniger Arbeit muss der Verdichter leisten. Eine Fußbodenheizung mit 35 Grad Vorlauftemperatur ist daher deutlich günstiger zu betreiben als alte Heizkörper, die 60 Grad erfordern. Moderne Niedertemperaturheizsysteme sind die ideale Ergänzung für jede Wärmepumpe.
Gut zu wissen
Eine Wärmepumpe mit COP 4,0 liefert 4 kWh Heizwärme pro 1 kWh Strom: 75 Prozent der Energie stammen kostenlos aus der Umwelt, nur 25 Prozent sind Strombezug.
07COP und JAZ: Die wichtigsten Effizienzkennzahlen verstehen
Um die Effizienz einer Wärmepumpe zu bewerten, gibt es zwei zentrale Kennzahlen: den COP (Coefficient of Performance) und die JAZ (Jahresarbeitszahl). Beide beschreiben das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom, jedoch unter unterschiedlichen Bedingungen.
Der COP ist eine Momentaufnahme unter standardisierten Laborbedingungen. Er gibt an, wie viel Heizleistung die Wärmepumpe bei einer festgelegten Außentemperatur (meist A7/W35, also 7 Grad Lufttemperatur und 35 Grad Vorlauftemperatur) liefert. Ein COP von 4,5 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4,5 kWh Wärme. Diese Zahl ist wichtig für den Vergleich verschiedener Geräte, bildet aber nicht die Praxis ab.
Die JAZ hingegen beschreibt die durchschnittliche Effizienz über ein ganzes Heizsahr hinweg, unter realen Bedingungen mit allen Temperaturschwankungen, Abtauzyklen und Teillastbetrieb. Sie liegt in der Praxis meist 0,5 bis 1,0 Punkte niedriger als der beste COP-Wert. Typische Jahresarbeitszahlen liegen bei Luftwärmepumpen zwischen 3,0 und 4,0, bei Erdwärmepumpen zwischen 4,0 und 4,5 und bei Wasserwärmepumpen zwischen 4,5 und 5,2.
| Kennzahl | Messbedingung | Typischer Wert | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| COP | Laborbedingung, fester Arbeitspunkt (z.B. A7/W35) | 4,0 bis 5,5 | Momentane Effizienz, Vergleichswert |
| JAZ | Realer Jahresbetrieb mit allen Schwankungen | 3,0 bis 5,2 | Tatsächliche Effizienz, wirtschaftlich relevant |
| SCOP | Normierte Jahreskennzahl nach EU-Ökodesign | 3,5 bis 5,0 | Vergleichbarkeit, Energielabel-Grundlage |
08Was beeinflusst die Effizienz im Alltag?
Die Jahresarbeitszahl wird von mehreren Faktoren bestimmt. Der wichtigste ist die Vorlauftemperatur des Heizsystems. Je niedriger sie ausfällt, desto weniger muss der Verdichter das Kältemittel komprimieren und desto höher ist die Effizienz. Eine Fußbodenheizung mit 30 bis 35 Grad Vorlauf ist ideal, während alte Heizkörper mit 60 bis 70 Grad die JAZ deutlich senken.
Auch die Auslegung der Anlage spielt eine große Rolle. Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufiger (schaltet oft an und aus), was Effizienz kostet. Eine zu klein ausgelegte Anlage muss mit elektrischen Heizstäben nachhelfen, was ebenfalls die JAZ verschlechtert. Eine sorgfältige Heizlastberechnung durch einen Fachbetrieb ist deshalb unverzichtbar.
Weitere Einflussfaktoren sind die Dämmung des Gebäudes, die Regelungsstrategie der Anlage, die Warmwasserbereitung und bei Luftwärmepumpen die Klimaregion. In milden Wintern erreichen Luftwärmepumpen höhere Jahresarbeitszahlen als in strengen, kontinentalen Klimazonen. Bei Erdwärme und Grundwasser sind die regionalen Unterschiede deutlich geringer.
- Niedrige Vorlauftemperatur (unter 40 Grad) erhöht die JAZ um bis zu 20 Prozent
- Richtige Dimensionierung vermeidet Takten und unnötigen Strombezug
- Gute Gebäudedämmung senkt die Heizlast und verbessert die Effizienz
- Smart-Grid-fähige Regelungen nutzen günstige Stromtarife und PV-Überschüsse
- Warmwasserbereitung auf 50 Grad statt 60 Grad spart Verdichtungsarbeit
09Unterschiede der Wärmepumpen-Arten im Überblick
Neben der Wärmequelle unterscheiden sich Wärmepumpen nach Bauform und Einsatzort. Monoblock-Geräte enthalten alle Komponenten in einem Außengerät, nur Heizungsrohre führen ins Haus. Split-Geräte teilen den Kältekreislauf auf eine Außen- und eine Inneneinheit auf, ähnlich einer Klimaanlage. Monoblock-Systeme sind einfacher zu installieren und haben keine Kältemittelleitungen im Gebäude, Split-Anlagen können leiser sein, da der Verdichter außen bleibt.
Auch bei der Betriebsweise gibt es Unterschiede: On-Off-Wärmepumpen schalten bei Erreichen der Solltemperatur komplett ab, was zu häufigem Takten führt. Inverter-Wärmepumpen passen ihre Leistung stufenlos an den tatsächlichen Bedarf an und arbeiten dadurch effizienter und leiser. Nahezu alle modernen Geräte verfügen über Inverter-Technologie.
Darüber hinaus gibt es Sonderformen wie Warmwasser-Wärmepumpen, die ausschließlich für die Trinkwassererwärmung zuständig sind, oder Hybrid-Systeme, die Wärmepumpe und Gas- oder Ölkessel kombinieren. Letztere sind vor allem im Bestand sinnvoll, wenn eine reine Wärmepumpenlösung nicht wirtschaftlich ist. Für Neubauten und energetisch sanierte Gebäude sind jedoch reine Wärmepumpensysteme Standard.
| Typ | Wärmequelle | Einsatzgebiet | Typische JAZ | Investitionskosten |
|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser (Monoblock) | Außenluft | Neubau und Sanierung, überall | 3,0 bis 4,0 | 12.000 bis 18.000 Euro |
| Luft-Wasser (Split) | Außenluft | Platzbedarf innen gering | 3,0 bis 4,0 | 13.000 bis 19.000 Euro |
| Sole-Wasser (Kollektor) | Erdreich flach | Neubau mit Grundstück ab 400 m² | 4,0 bis 4,5 | 20.000 bis 28.000 Euro |
| Sole-Wasser (Sonde) | Erdreich tief | Neubau und Sanierung, wenig Fläche | 4,0 bis 4,5 | 22.000 bis 32.000 Euro |
| Wasser-Wasser | Grundwasser | Nur bei geeignetem Grundwasser | 4,5 bis 5,2 | 25.000 bis 35.000 Euro |
| Luft-Luft (Klimaanlage) | Außenluft | Passivhäuser, keine Wasserheizung | 3,5 bis 4,5 | 8.000 bis 15.000 Euro |
Gut zu wissen
Monoblock-Luftwärmepumpen sind mit 12.000 bis 18.000 Euro Anschaffungskosten die günstigste Variante, Wasser-Wasser-Anlagen die teuerste, aber auch effizienteste mit JAZ bis 5,2.
10Typische Herausforderungen und wie sie gelöst werden
Eine häufige Sorge betrifft den Strombedarf im Winter. Tatsächlich steigt der Stromverbrauch bei Minusgraden, weil die Wärmepumpe häufiger und länger läuft und bei Luftwärmepumpen Abtauzyklen nötig werden. Dennoch bleibt das Verhältnis von Strom zu Wärme meist bei 1 zu 3 oder besser. Mit einem günstigen Wärmepumpentarif oder eigenem PV-Strom bleibt das Heizen wirtschaftlich.
Lautstärke ist ein weiteres Thema, vor allem bei Luft-Wärmepumpen. Moderne Geräte arbeiten mit 50 bis 60 dB(A) in einem Meter Abstand, was in etwa einem leisen Gespräch entspricht. Inverter-Technologie, Schallhauben und richtige Aufstellung (Abstand zu Nachbarn, Schallreflektion vermeiden) minimieren Störungen. Bei Bedarf gibt es besonders leise Flüster-Modelle mit unter 35 dB(A) im Nachtmodus.
Auch der Platzbedarf im Gebäude ist oft geringer als gedacht. Eine Monoblock-Luftwärmepumpe steht komplett außen, im Haus ist nur der Warmwasserspeicher nötig. Bei Split-Geräten oder Erd- und Wasser-Wärmepumpen steht die Hydraulikeinheit im Keller oder Technikraum, benötigt aber selten mehr als einen Quadratmeter Grundfläche plus Speicher.
11Funktionsweise und Systemintegration: Pufferspeicher, Heizungsregelung, Photovoltaik
Eine Wärmepumpe arbeitet nicht isoliert, sondern als Teil des gesamten Heizsystems. Ein Pufferspeicher entkoppelt die Wärmeerzeugung vom Wärmeverbrauch und verhindert häufiges Takten. Das erhöht die Lebensdauer des Verdichters und verbessert die Effizienz. Bei Luft-Wärmepumpen mit stark schwankendem Außenklima ist ein Puffer fast immer sinnvoll, bei Erd- oder Wasser-Wärmepumpen oft optional.
Die Heizungsregelung steuert die Vorlauftemperatur abhängig von der Außentemperatur (witterungsgeführt) und passt Heizkurven an. Moderne Regler lernen das Verhalten des Gebäudes und optimieren die Betriebsweise automatisch. Smart-Home-Anbindung erlaubt Fernsteuerung per App und zeitbasierte Programme für Nachtabsenkung oder Abwesenheit.
Die Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage ist besonders attraktiv. Überschüssiger Solarstrom kann direkt in den Betrieb der Wärmepumpe fließen oder den Pufferspeicher zusätzlich laden. So steigt der Eigenverbrauch, und die Betriebskosten sinken weiter. Einige Hersteller bieten spezielle PV-ready-Steuerungen, die den Betrieb der Wärmepumpe gezielt in sonnige Stunden verlagern, ohne Komfortverlust.
- Pufferspeicher: 50 bis 200 Liter Volumen, vermeidet Takten und erhöht Lebensdauer
- Warmwasserspeicher: 200 bis 500 Liter, oft mit Hygiene-Schichtladesystem
- Witterungsgeführte Regelung: passt Vorlauftemperatur automatisch an
- PV-Integration: nutzt Solarüberschuss, steigert Autarkie auf über 50 Prozent
- Smart-Grid-ready: nutzt variable Stromtarife für günstigen Betrieb
FAQ
Häufige Fragen zur Funktionsweise
Wie funktioniert eine Wärmepumpe einfach erklärt?
Eine Wärmepumpe entzieht der Umwelt (Luft, Erde oder Wasser) Wärme und hebt sie mittels eines Kältekreislaufs auf ein höheres Temperaturniveau für die Heizung. Sie funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank: Ein Kältemittel verdampft durch Aufnahme von Umweltwärme, wird dann im Verdichter komprimiert (wodurch Temperatur und Druck steigen), gibt die Wärme im Verflüssiger ans Heizsystem ab und wird über ein Expansionsventil entspannt. Dieser Kreislauf läuft kontinuierlich und liefert aus 1 kWh Strom etwa 3 bis 5 kWh Heizwärme.
Warum wird aus 1 kWh Strom mehr als 3 kWh Wärme?
Die Wärmepumpe erzeugt Wärme nicht direkt, sondern transportiert kostenlose Umweltenergie ins Haus. Der Strom treibt nur den Verdichter an, der als Pumpe für Wärme dient. Bei einer Leistungszahl von 4,0 stammen 3 kWh aus der Umwelt und nur 1 kWh aus dem Stromnetz. Dieser Hebel macht Wärmepumpen drei- bis fünfmal effizienter als Elektroheizungen.
Was bedeutet COP und JAZ bei Wärmepumpen?
Der COP (Coefficient of Performance) misst die Effizienz unter standardisierten Laborbedingungen bei einem festen Arbeitspunkt, typischerweise 4,0 bis 5,5. Die JAZ (Jahresarbeitszahl) gibt die tatsächliche Durchschnittseffizienz über ein ganzes Heizjahr unter realen Bedingungen an und liegt praktisch bei 3,0 bis 5,2, je nach Wärmequelle und System. Die JAZ ist die wirtschaftlich relevante Kennzahl, weil sie den echten Stromverbrauch bestimmt.
Welche Wärmequelle ist am effizientesten?
Grundwasser liefert mit 8 bis 12 Grad ganzjährig konstanter Temperatur die höchsten Jahresarbeitszahlen von 4,5 bis 5,2. Erdwärmepumpen erreichen 4,0 bis 4,5, Luftwärmepumpen 3,0 bis 4,0. Allerdings sind die Investitionskosten bei Wasser- und Erdwärmepumpen deutlich höher, und Genehmigungen sowie Platzbedarf müssen beachtet werden.
Was ist das größte Problem bei einer Wärmepumpe?
Das größte Problem ist oft eine zu hohe Vorlauftemperatur durch alte, unterdimensionierte Heizkörper. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten mit Vorlauftemperaturen unter 40 Grad, wie sie Fußbodenheizungen benötigen. Bei Vorlauftemperaturen über 55 Grad sinkt die Effizienz stark, der Stromverbrauch steigt, und die Wirtschaftlichkeit leidet. Eine sorgfältige Heizlastberechnung und gegebenenfalls der Austausch von Heizkörpern sind daher entscheidend.
Ist eine Wärmepumpe im Winter ein Stromfresser?
Nein, auch bei Minusgraden bleibt das Verhältnis von Strom zu Wärme bei 1 zu 3 oder besser. Der Stromverbrauch steigt zwar, weil länger geheizt wird und Abtauzyklen nötig sind, aber die Effizienz bleibt deutlich höher als bei Elektroheizungen. Mit einem günstigen Wärmepumpentarif (oft 3 bis 5 Cent pro kWh günstiger) oder eigenem PV-Strom sind die Betriebskosten auch im Winter moderat.
Welche Rolle spielt das Kältemittel im Kältekreislauf?
Das Kältemittel zirkuliert im geschlossenen Kreislauf und wechselt ständig zwischen flüssig und gasförmig. Es verdampft bereits bei sehr niedrigen Temperaturen und nimmt dabei Umweltwärme auf, wird im Verdichter erhitzt und komprimiert, gibt die Wärme im Verflüssiger ab und wird über das Expansionsventil wieder entspannt. Moderne Kältemittel wie R32 oder R290 (Propan) sind effizienter und haben einen geringeren Treibhauseffekt als ältere Mittel.
Kann eine Wärmepumpe auch kühlen?
Ja, viele moderne Wärmepumpen bieten eine Kühlfunktion. Im sogenannten reversiblen Betrieb oder über passive Kühlung wird der Kältekreislauf umgekehrt oder die kühle Sole aus dem Erdreich direkt zur Kühlung genutzt. Besonders bei Erdwärme- und Wasserwärmepumpen ist eine effiziente Kühlung möglich, die im Sommer für angenehme Raumtemperaturen sorgt, ohne separate Klimaanlage.
Mehr Antworten? Auf der FAQ-Seite findest du alle Fragen zu Förderung, Kosten, Technik und Anbietern.
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